{"id":1150,"date":"2019-09-09T11:30:37","date_gmt":"2019-09-09T11:30:37","guid":{"rendered":"http:\/\/krain.de\/?page_id=1150"},"modified":"2019-09-09T11:51:43","modified_gmt":"2019-09-09T11:51:43","slug":"1150-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/krain.de\/?page_id=1150","title":{"rendered":"Interview Judith Gor"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Original: <a href=\"http:\/\/www.literatopia.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=21661:guido-krain-17-02-2015&amp;catid=48&amp;Itemid=138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Literatopia.de<\/a><br \/>\nInterview von Judith Gor (2015)<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Hallo, Guido! Vergangenen Herbst ist von Dir \u201e<a href=\"http:\/\/guido.krain.de\/index.php?option=com_content&amp;view=category&amp;layout=blog&amp;id=77&amp;Itemid=108\">Die Schwarze Victoria<\/a>\u201c erschienen \u2013 was erwartet interessierte Leser?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain<br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>Ein elit\u00e4rer Club angesehener Pers\u00f6nlichkeiten unternimmt aufgrund eines geheimnisvollen Hilferufs eine Expedition an die Grenzen der bekannten Welt. Es handelt sich also nicht nur um einen Steampunk-, sondern auch um einen Abenteuerroman mit dem Charme des Viktorianischen Zeitalters. Entdeckungen, ferne L\u00e4nder, geheimnisvolle Kulturen und das alles in einer Welt, die der Leser auch noch nicht kennt. Jeder Reisende tr\u00e4gt sein eigenes \u201eP\u00e4ckchen\u201c und seine eigenen Geheimnisse mit sich herum. Das gilt sogar f\u00fcr das Luftschiff, mit dem der Club unterwegs ist.<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Wie sieht die bekannte Welt Deines Romans aus? Und was erwartet die Protagonisten jenseits ihrer Grenzen?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain<br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>In der Welt Feylon unterscheiden sich die Naturgesetze in einigen wesentlichen Punkten von denen unserer eigenen Welt, was gewisse Konsequenzen f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben hat:<\/p>\n<p>Zum Beispiel vollzieht sich der \u00dcbergang zwischen den Aggregatszust\u00e4nden sprunghaft und unberechenbar. Dampf braucht ewig, bis er kondensiert. Und? k\u00f6nnte man jetzt fragen. Die Konsequenz ist, dass man sich etwas einfallen lassen muss, wenn man etwa rauchen oder kochen m\u00f6chte. Schusswaffen sind f\u00fcr alle Beteiligten viel gef\u00e4hrlicher, Dampfmaschinen nur auf dem Meer n\u00fctzlich, wo genug Wassernachschub vorhanden ist und die Kontinente wurden von der Plattentektonik in kleine Inseln von der Gr\u00f6\u00dfe Gro\u00dfbritanniens zerrissen. Durch die Isolation der einzelnen Menschenpopulationen konnten sich viel gr\u00f6\u00dfere k\u00f6rperliche und kulturelle Unterschiede als in unserer Welt entwickeln.<\/p>\n<p>Die Helden der Schwarzen Victoria sind Bewohner \u201eKions\u201c, das in seiner Gesellschaftsstruktur enge Verwandtschaft mit dem viktorianischen England aufweist. \u00c4rgster Konkurrent ist Asgor, das \u201ealte Imperium\u201c, das \u00fcber viele Jahrhunderte die beherrschende Kraft der bekannten Welt war. W\u00e4hrend Kion Asgor als das Land des B\u00f6sen, des Terrors und der Unterdr\u00fcckung ansieht, betrachtet Asgor Kion als das Land der verweichlichten Dekadenz.<\/p>\n<p>Die Rettungsmission f\u00fchrt die Helden sowohl geografisch als auch moralisch und weltanschaulich an die Grenzen ihrer Welt. Sie erforschen unbekannte Wildnis, geheimnisvolle Kulturen und lernen ihre Mitreisenden und manchmal auch sich selbst besser kennen als sie es sich je gew\u00fcnscht h\u00e4tten.<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Kannst Du uns mehr \u00fcber Deine Charaktere verraten? Was macht sie \u201eelit\u00e4r\u201c? Und wie schlagen sie sich auf ihrer Reise?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain<br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>Sir Arthur Colvane ist das schwarze Schaf einer uralten Adelsfamilie. Sein guter Name gestattet ihm, sich \u00fcber einige gesellschaftliche Regeln hinwegzusetzen. So ist skandal\u00f6serweise ein weiblicher Butler sein st\u00e4ndiger Begleiter. Gegen seine Clubfreundin, die eigensinnige und wegen ihrer scharfen Zunge gef\u00fcrchtete Lady Catherine von Ashbury, ist er jedoch ein Musterbeispiel der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Mit von der Partie ist auch William Belford, der ungehobelte Spross einer reichen Industriellenfamilie. Er ist ein Tunichtgut und Draufg\u00e4nger, der erstaunlicherweise einer der besten Freunde Sir Arthurs ist. Seine Nemesis ist Calder Quinn, der bis zu seiner Pensionierung als Lehrer f\u00fcr Geschichte, alte Sprachen und Etikette in Lexford, dem renommiertesten Internat Kions, besch\u00e4ftigt war.<\/p>\n<p>Nicht zu vergessen der Arzt Dr. Walter Hadley, der eine ungesunde Anh\u00e4nglichkeit an Lady Catherine zeigt. Seltsamerweise am leichtesten zu \u00fcbersehen ist der wie ein h\u00fcnenhafter Grizzly gebaute George Thornwright. Der pensionierte Polizeioffizier ist stets bescheiden und von der Bildung seiner Clubkameraden eingesch\u00fcchtert.<\/p>\n<p>Fast alle Clubmitglieder geh\u00f6ren also zu den Eliten der Gesellschaft und viele von ihnen waren in ihrem ganzen Leben noch nie ernsthaft in Gefahr. Dementsprechend blau\u00e4ugig, mit Tee und Pl\u00e4tzchen im Gep\u00e4ck, startet die Truppe ins Abenteuer.<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Auch \u201e<a href=\"http:\/\/krain.de\/?page_id=778\">Argentum Noctis<\/a>\u201c verdient die Bezeichnung Steampunk. Was reizt Dich pers\u00f6nlich an dem Genre? Und was macht f\u00fcr Dich guten Steampunk aus?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain<br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>Steampunk ist eine tolle Mischung meiner beiden Lieblingsgenres: Fantasy und Science Fiction. Man kann hemmungslos mit v\u00f6llig absurder Technik spielen, ganz neue Arten von Abenteuerromanen schreiben und das ganz besondere Flair des Viktorianischen Zeitalters genie\u00dfen ohne sich mit den Schattenseiten einer durch und durch rassistischen und militaristischen Epoche befassen zu m\u00fcssen. Das Genre hat f\u00fcr mich einfach etwas ungeheuer Positives an sich.<\/p>\n<p>Ein guter Steampunkroman muss f\u00fcr mich die gleichen Voraussetzungen erf\u00fcllen wie jeder andere Roman auch: Er muss fl\u00fcssig geschrieben sein, eine originelle Geschichte erz\u00e4hlen und interessante Charaktere mitbringen. Das Ziel ist f\u00fcr mich dann erreicht, wenn die Leser das Buch nur ungern wieder aus der Hand legen.<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Bauen beide Romane auf einer \u00e4hnlichen Welt auf oder sind sie ganz unterschiedlich?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain<br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>\u201e<a href=\"http:\/\/krain.de\/?page_id=778\">Argentum Noctis<\/a>\u201c und \u201e<a href=\"http:\/\/krain.de\/?page_id=789\">Die Schwarze Victoria<\/a>\u201c sind Vertreter so gegens\u00e4tzlicher Steampunkstr\u00f6mungen, dass sie in keiner Weise miteinander zu vergleichen sind. \u201eDie Schwarze Victoria\u201c spielt in einer Fantasy-Welt namens Feylon und ist eher wie ein klassischer Abenteuerroman angelegt. Es werden Abenteuer auf unentdeckten Kontinenten erlebt und uralte Geheimnisse ergr\u00fcndet. Der Roman z\u00e4hlt deshalb ins Subgenre der Steamfantasy.<\/p>\n<p>\u201eArgentum Noctis\u201c spielt hingegen in einem nahezu vertrauten London der 1880er Jahre. Es geht um die verr\u00fcckte Geschichte eines Erfinders, der mit seinem dampfbetriebenen Dienstm\u00e4dchen und \u00e4u\u00dferst skurrilen Freunden eine haarstr\u00e4ubende Entdeckung macht \u2013 und dann die B\u00fcchse der Pandora nicht mehr geschlossen bekommt.<br \/>\nEs liegen also im wahrsten Sinne des Wortes Welten zwischen beiden Romanen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Steampunk h\u00e4lt sich inzwischen recht lange als Nischengenre und hat eine treue und begeisterte Fangemeinde. Verlage haben bereits versucht, einen Trend aus Steampunk zu kreieren \u2013 wird das jemals gelingen?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu negativ. Ich glaube, dass zumindest die meisten gro\u00dfen Verlage schon lange aufgegeben haben, Trends zu kreieren. Was ver\u00f6ffentlicht wird, entscheiden nur noch eingeschr\u00e4nkt die Lektoren, sondern die Marketingabteilung. Es geht im Wesentlichen darum, bereits bestehende Trends zu erkennen und bis zum letzten Euro totzureiten.<\/p>\n<p>Ob Steampunk so ein Trend ist oder werden wird, kann ich nicht sagen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass das Genre noch eine lange kreative Zukunft vor sich hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Hatten fr\u00fcher au\u00dfergew\u00f6hnliche Romane mehr Chancen als heute?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Das denke ich schon. Zum einen gibt es heute wesentlich mehr Autoren, so dass ein guter Text noch leichter \u00fcbersehen werden kann. Zum anderen sagen die meisten Verlage heute klipp und klar, dass sie \u201eMainstream\u201c suchen. Blo\u00df nicht zu anspruchsvoll, blo\u00df nicht zu viel Hirnschmalz vom Leser verlangen und auf keinen Fall komplizierte Plots. Daf\u00fcr sollten m\u00f6glichst immer dieselben (erfolgreichen) Archetypen vorkommen und \u2013 noch besser \u2013 eine \u00c4hnlichkeit zu anderen, bereits erfolgreichen, Romanen bestehen. Es kommt ja nicht von ungef\u00e4hr, dass man sich z.B. gar nicht mehr vor Liebesvampirromanen mit langhaarigen, sch\u00f6nen Vampirm\u00e4nnern retten kann.<\/p>\n<p>Es geht den Gro\u00dfverlagen nicht mehr darum, ein Kulturgut zu f\u00f6rdern oder um Originalit\u00e4t, sondern um garantierte Verkaufszahlen. Die Marketingabteilung bestimmt \u00fcber den Inhalt der B\u00fccher. Wenn es \u00fcberhaupt noch au\u00dfergew\u00f6hnliche Titel aus der Phantastik in das Sortiment der Gro\u00dfverlage schaffen, kommen die in der Regel aus den USA, wo im gro\u00dfen Stil bereits erfolgreiche Titel eingekauft werden. Mittlerweile fangen damit ja sogar schon Kleinverlage an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>J\u00fcngst hast Du Dich an der Anthologie \u201e<a href=\"http:\/\/krain.de\/?page_id=977\">Die Knochenkirche<\/a>\u201c beteiligt \u2013 worum geht es in Deiner Geschichte? Und hast Du die Beitr\u00e4ge Deiner Kollegen gelesen?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>In meiner Geschichte geht es um die Pest, die Europa im 14. Jahrhundert in einer beispiellosen Welle des Schreckens entv\u00f6lkert hat \u2013 und warum die Pest sp\u00e4terer Jahrhunderte viel harmloser verlief. Und es geht darum, dass Seuchen und Menschen zuweilen gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit miteinander haben.<\/p>\n<p>Ich hatte leider noch keine Gelegenheit alle Beitr\u00e4ge meiner Kollegen zu lesen. Bis jetzt war das Echo aber sehr positiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Was schreibt sich f\u00fcr Dich leichter: Roman oder Kurzgeschichte?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Das l\u00e4sst sich so pauschal gar nicht sagen. Ich hatte Romane, mit denen ich sehr k\u00e4mpfen musste, aber auch einige, die sich praktisch von selbst geschrieben haben. Das gilt genauso f\u00fcr Kurzgeschichten. Bei Kurzgeschichten wei\u00df man aber in der Regel schon beim Plot in welche von beiden Kategorien der Text fallen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>F\u00fcr Anthologien hast Du bereits erotische Kurzgeschichten verfasst. Denkst Du, m\u00e4nnliche Autoren setzen da andere Schwerpunkte als weibliche? Was macht f\u00fcr Dich gute Erotik aus?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich denke, dass m\u00e4nnliche Autoren ihre Phantasien sehr viel mehr Filtern als weibliche, weil bestimmte Aspekte m\u00e4nnlicher Erotik als politisch unkorrekt empfunden werden \u2013 gerade wenn sie aus der Feder eines m\u00e4nnlichen Autors kommen. Ich wei\u00df nicht, ob es daran liegt, dass mir Erotiktexte m\u00e4nnlicher Autoren oft phantasieloser erscheinen. Weibliche Autoren tendieren in meinen Augen daf\u00fcr h\u00e4ufig bei phantastischen Erotiktexten dazu, ihre m\u00e4nnlichen Protagonisten zu \u201everniedlichen\u201c.<\/p>\n<p>Zu einer guten erotische Geschichte z\u00e4hlt f\u00fcr mich schon mal genau das: Eine echte, originelle Geschichte mit lebendigen Charakteren. Und wenn es dann zu den erotischen Szenen kommt, muss nat\u00fcrlich das Kopfkino anspringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Hast Du ein Beispiel f\u00fcr eine solche \u201eVerniedlichung\u201c? Meist werden die M\u00e4nner ja eher \u00fcberidealisiert mit, zumindest im phantastischen Bereich, deren \u00fcberirdischer Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Jetzt setze ich mich bestimmt in die Nesseln ;o). Mir kommt sofort der Roman einer bekannten Kollegin in den Sinn, in dem eine wilde gef\u00e4hrliche Killermeute von Werw\u00f6lfen ihr Unwesen treibt.<\/p>\n<p>Die Autorin beschreibt gro\u00dfartig wie animalisch, geradezu wild d\u00e4monisch und gef\u00e4hrlich vor allem der Anf\u00fchrer ist. Dann geht die Protagonistin mit diesem Anf\u00fchrer ins Bett und er erweist sich als sanftes Scho\u00dfh\u00fcndchen, das nur den Genuss der Frau im Blick hat und sich auch in der h\u00f6chsten Ekstase von ihr vorschreiben l\u00e4sst, was er zu tun hat.<\/p>\n<p>Gegen \u00fcberirdische Sch\u00f6nheit habe ich ja nichts \u2013 das geh\u00f6rt zum Tr\u00e4umen dazu. Aber gerade Autorinnen neigen dazu, diese M\u00e4nner als unheimliche, geheimnisvolle Killer mit sehr viel Stolz und animalischen Instinkten aufzubauen. Im Bett werden diese \u00dcberm\u00e4nner dann oft zu harmlosen Kuscheltieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Es scheint, Deine Geschichten haben meist einen Hang zum D\u00fcsteren? Woher kommt das?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Mit Ausnahme meiner Beitr\u00e4ge zur \u201eKnochenkirche\u201c und den \u201eD\u00fcsteren Pfaden\u201c empfinde ich meine Texte ganz und gar nicht als d\u00fcster. Ganz im Gegenteil w\u00fcrde ich all meine Romane eher als positiv bis sehr positiv bezeichnen. Ich m\u00f6chte, dass die Leser sich \u201ebei mir\u201c wohlf\u00fchlen und am liebsten in das Buch einziehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Allerdings bem\u00fche ich mich, die Antagonisten und die Gefahren in meinen Geschichten tats\u00e4chlich als bedrohlich darzustellen. Daher kann es auch mal unheimlich, gemein oder brutal werden. Meine Helden sind der Angelegenheit aber in aller Regel gewachsen und die meisten von ihnen haben so gar nichts D\u00fcsteres an sich. Damit meine ich nicht nur die \u201eHardcore-Fraktion\u201c wie Pilze putzende Feen, dampfbetriebene Dienstm\u00e4dchen, sprechende Ratten und Fr\u00f6sche, sondern so gut wie alle meine Helden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Was h\u00e4ltst Du eigentlich davon, den Helden am Ende des Romans \u00fcber die Klinge springen zu lassen? Kann man als Leser den Tod des Protagonisten verkraften oder kommt unweigerlich Frust auf?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich denke, das h\u00e4ngt vom Genre und von der Art des Romans ab. Wenn \u00fcberhaupt muss so etwas aber immer einen \u201etieferen Sinn\u201c f\u00fcr den Plot haben. Eine Hauptfigur nur f\u00fcr einen Schockmoment sterben zu lassen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich pers\u00f6nlich finde den Tod eines Helden immer sehr frustrierend \u2013 gerade, wenn der Roman bis dahin gut war und man ihn ins Herz geschlossen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Ob Fantasy, Science Fiction oder Horror \u2013 Du hast Dich schon in verschiedensten phantastischen Genres ausgetobt. Warum ausgerechnet Phantastik?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Das hat sehr viele verschiedene Gr\u00fcnde. Ich liebe die unersch\u00f6pflichen M\u00f6glichkeiten, mit denen das Genre spielen kann. Angefangen bei phantastischen Welten, Wesen und Kulturen, \u00fcber all die faszinierenden Dinge, die uns in der Zukunft erwarten k\u00f6nnten bis zu den Konsequenzen, die das alles haben kann. Interessanter kann ein Genre f\u00fcr mich kaum sein.<\/p>\n<p>Wenn es nicht gerade \u2013 wie in Thrillern oder Krimis \u2013 um Ausnahmesituationen geht, haben die Helden in Real-Plots mit denselben Problemen zu k\u00e4mpfen wie wir und m\u00fcssen sich auch \u00fcber dieselben Dinge Sorgen machen. Gerade das finden ja viele Autoren spannend. Ich finde das totlangweilig. Meine B\u00fccher sollen ein Urlaub in einer anderen Realit\u00e4t sein und je realer ich die andere Welt mache, umso besser funktioniert das. Das bedeutet nicht, dass ich nur seichte Unterhaltung schreibe, aber wenn ich mal gesellschaftskritisch werde, suhle ich mich nicht in den Missst\u00e4nden der Realit\u00e4t, um zu zeigen wie trist das Leben ist. Wenn meine Leser am Ende des Buches in ihre Welt zur\u00fcckkommen, sind sie positiv gestimmt und haben vielleicht sogar einen anderen Blickwinkel und Denkanst\u00f6\u00dfe mitgenommen. Erst wenn man mal in eine v\u00f6llig fremde Kultur hineingeschnuppert hat, merkt man zum Beispiel, dass gewisse Ideen, die man nie in Frage gestellt hat, nicht allgemeing\u00fcltig sind.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass ich keine Realplots schreibe. Krimis und Thriller machen mir zum Beispiel ebenfalls Spa\u00df. Noch in diesem Jahr wird bei Oldigor \u201eDie Zahnfee\u201c erscheinen \u2013 ein waschechter Krimi ganz ohne Phantastik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Wie hast Du die Entwicklung der Phantastik in den vergangenen Jahren erlebt? Ist sie tats\u00e4chlich r\u00fcckl\u00e4ufig?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich habe bislang nicht den Eindruck und kann nicht klagen. Der Eindruck t\u00e4uscht vielleicht auch deshalb, weil Verlage bevorzugt Genres einkaufen, die noch besser laufen \u2013 Liebesromane zum Beispiel. So wird das Angebot aber auch die Nachfrage verzerrt. Liebesromanfans k\u00f6nnen jeden Monat zwischen hunderten f\u00fcr sie interessanter Titel w\u00e4hlen und dementsprechend mehrere B\u00fccher konsumieren. Phantastik-Fans sind da sehr viel eingeschr\u00e4nkter und k\u00f6nnen deshalb weniger kaufen. Das gilt besonders dann, wenn sie auf ein Subgenre festgelegt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Du hast zuerst im Fachbuch-Bereich ver\u00f6ffentlicht, unter anderem Ratgeber f\u00fcr Personal Computer. Woher kam die Inspiration f\u00fcr diese B\u00fccher? Hast Du Dich selbst oft genug mit dem PC herumge\u00e4rgert und wolltest es anderen leichter machen?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich hatte mit neun Jahren meinen ersten Computer und habe mir sp\u00e4ter auch alle meine PCs selbst zusammengebaut. Dementsprechend habe ich mich immer sehr intensiv mit meinem Arbeitsger\u00e4t auseinander gesetzt und wirklich *klopfaufHolz* nie Probleme mit meinem PC gehabt. Auch wenn es ja schon seit den 90ern modern war auf Windows zu schimpfen, sa\u00df die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Fehlerquelle schon damals grunds\u00e4tzlich vor dem Bildschirm. Weil ich in meinem Freundeskreis immer die PC-Feuerwehr gespielt habe, sind mir nat\u00fcrlich schnell die typischen Probleme aufgefallen.<\/p>\n<p>Data Becker hatte dann die Idee eine Ratgeberreihe aufzubauen, in der das n\u00f6tige Wissen auf besonders unterhaltsame Weise vermittelt wird. Gefragt waren keine staubtrockenen Fachtexte sondern unterhaltsam geschriebene B\u00fccher die man sogar lesen m\u00f6chte, ohne ein akutes PC-Problem zu haben und die trotzdem nicht oberfl\u00e4chlich sind. Meine Umsetzung hat den Lektoren gefallen und schon war das erste Buch erschienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Wie sahen Deine kreativen Schreibanf\u00e4nge aus? Und wie blickst Du heute darauf zur\u00fcck?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Meine ersten Schreibanf\u00e4nge hatte ich kurz nach der Einschulung. Damals erschienen mir die heldenhaften Abenteuer meines Stoffhundes als mitrei\u00dfende Geschichten, was sich heute relativiert hat. ;o) Sp\u00e4ter habe ich dann schon w\u00e4hrend meines Studiums Geld mit Texten verdient. Mein erster ver\u00f6ffentlichter Roman \u2013 Elfenmond \u2013 war gar nicht als solcher geplant, sondern sollte nur die etwa eine DinA4-Seite lange Lebensgeschichte f\u00fcr einen Rollenspielcharakter werden. Am Ende waren es \u00fcber f\u00fcnfhundert Seiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Wie ist dazu gekommen, dass aus einer Geschichte f\u00fcr einen Rollenspielcharakter ein ganzer Roman wurde? Und von welchem Rollenspiel ist \u201eElfenmond\u201c inspiriert?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich habe eine Weile mit einem ganz au\u00dfergew\u00f6hnlichen Spielleiter AD&amp;D (Dungeons &amp; Dragons) gespielt. Beim dem geh\u00f6rte es dazu, dass jeder Spieler eine kurze Lebensgeschichte zu seinem Charakter schreibt. Aber als ich mit dem Magier mit seinem seltsamen Frosch, ankam, fand er ihn zu langweilig \u2013 wahrscheinlich auch deshalb, weil ich schon vorher einen Magier gespielt hatte.<\/p>\n<p>Mich haben Dvorkin und Ivo aber nicht mehr in Ruhe gelassen und so begann ich ihre Geschichte weiter und weiter zu schreiben. Schnell zeigte sich jedoch, dass die beiden gar nicht nach Faerun (die Spielwelt von AD&amp;D) passten sondern eigentlich von Anfang an eher in die Elfenmondwelt geh\u00f6rten, einer Welt die ich schon lange Jahre vorher immer weiter und weiter entwickelt hatte. Insofern ist Elfenmond nicht in dem Sinne von einem Rollenspiel inspiriert \u2013 die Charaktererschaffung war nur eine Art Z\u00fcndfunke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Welche B\u00fccher tummeln sich in Deinen B\u00fccherregalen? Haupts\u00e4chlich phantastische Werke oder darf es auch mal ein Thriller oder Schicksalsroman sein?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich lese praktisch ausschlie\u00dflich phantastische Literatur. Fantasy, Science Fiction, Space Opera, Steampunk, Cyberpunk, klassische Gespenstergeschichten und das eine oder andere Kinderbuch. Das einzige Subgenre der Phantastik, dem ich so gar nichts abgewinnen kann, sind Romane \u00fcber die Zombieapokalypse.<\/p>\n<p>Thriller lese ich nur sehr selten \u2013 die sehe ich lieber verfilmt. Das gilt auch f\u00fcr Krimis, ich schreibe sie zwar gerne, aber da meine Frau ein begeisterter Krimifan ist, bekomme ich meine Krimidosis schon \u00fcber das Fernsehen. Was ich sicher nie freiwillig lesen w\u00fcrde sind Schicksals- und Liebesromane.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Kannst Du uns schon etwas \u00fcber zuk\u00fcnftige Projekte verraten?<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Aber sehr gern. Ich habe gerade \u201eDer brennende Rabe\u201c und \u201eDas Herz des Kriegers\u201c fertiggeschrieben. Die Romane werden noch in diesem Jahr (Mai und Oktober) als Band zwei und drei der Serie \u201eO.R.I.O.N. Space Opera\u201c im Arunya-Verlag erscheinen. Auf die B\u00e4nde freue ich mich schon deshalb besonders, weil sie auch als edle Hardcover zu haben sein werden.<\/p>\n<p>Im Augenblick beginne ich mit \u201eDie Zahnfee\u201c, einem in Hamburg spielenden Krimi, in dem Kommissar Tycho Zander einen sehr verwirrenden Fall von Serienmorden zu l\u00f6sen hat. Seine abergl\u00e4ubischen Kollegen sind dabei keine gro\u00dfe Hilfe. Auch dieser Roman wird noch in diesem Jahr im Oldigor-Verlag erscheinen.<\/p>\n<p>Danach geht\u2019s weiter mit dem \u201eTodesf\u00fcrst\u201c f\u00fcr den Rouven-Finn-Verlag. Hierbei geht es um eine klassische<\/p>\n<p>Vampirgeschichte mit \u00fcberhaupt nicht streichelgeeigneten Antagonisten. Gleich im Anschluss ist \u201ePSYCHOTIKA\u201c, ebenfalls f\u00fcr den Rouven-Finn-Verlag, an der Reihe. Ein Thriller, in dem ein Profikiller eine wirklich schlechte Zeit erlebt.<br \/>\nUnd dann wird es schon wieder Zeit, mich an Band sechs der O.R.I.O.N. Space Opera zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatopia:<\/strong><\/h5>\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr das Interview!<\/p>\n<h5><strong>Guido Krain:<\/strong><\/h5>\n<p>Ich habe zu danken!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Original: Literatopia.de Interview von Judith Gor (2015) Literatopia: Hallo, Guido! 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