{"id":1178,"date":"2019-09-09T12:49:43","date_gmt":"2019-09-09T12:49:43","guid":{"rendered":"http:\/\/krain.de\/?page_id=1178"},"modified":"2019-09-09T12:55:28","modified_gmt":"2019-09-09T12:55:28","slug":"interview-mit-ladys-lit","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/krain.de\/?page_id=1178","title":{"rendered":"Interview mit Ladys Lit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Original:<a href=\"http:\/\/andromache.twoday.net\/20120202\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Lady&#8217;s Lit<\/a><br \/>\nInterview von Elke Meyer<br \/>\nAnlass: &#8222;<a href=\"http:\/\/krain.de\/?page_id=792\">Masken der Sinnlichkeit<\/a>&#8222;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit <\/strong><\/h5>\n<p><strong>Lieber Guido, wann kam Ihnen die erste Romanidee? K\u00f6nnen Sie sich noch an den Moment erinnern? Gab es einen Ausl\u00f6ser?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Romanideen hatte ich schon von fr\u00fchester Jugend an. Das erste Mal konkretisiert habe ich eine solche Idee aber erst im Studium, mit 19 Jahren. Es war ein d\u00fcsterer Science Fiction-Schinken, den ich aber nie fertig gestellt habe. Der Ausl\u00f6ser war vielleicht, dass ich relativ allein in einer fremden Stadt festsa\u00df und jemanden zum Kommunizieren brauchte. Und Papier ist ja bekanntlich geduldig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie Biologie, Japanologie und Medienkultur studiert haben. Inwiefern pr\u00e4gen diese Studien Ihre literarische Arbeit?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Es ist schwer zu sagen, ob meine Studien meine Arbeit pr\u00e4gen oder ob ich meine Studienf\u00e4cher gew\u00e4hlt habe, weil ich mich bestimmte Dinge faszinieren. So fasziniert es mich hinter die Dinge zu schauen und Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Wenn man sich intensiv mit den Naturwissenschaften befasst, er\u00f6ffnen sich ganze Welten, die dem Durchschnittsmenschen verschlossen bleiben. Unsere Wirklichkeit ist unfassbar komplex und man bekommt zuweilen erstaunliche Antworten, wenn man sich zum Beispiel fragt, warum Lebewesen aussehen, wie sie nunmal aussehen. Oder warum wir Menschen dazu tendieren, abergl\u00e4ubisch zu sein. Alles hat einen Grund. Und genau das ist es, was mich so fasziniert.<br \/>\nWenn ich eine fiktive Welt erschaffe, bem\u00fche ich mich darum, diese Welt in sich stimmig zu machen. In einer Fantasy-Welt bedeutet dies zum Beispiel, eigene Naturgesetze zu definieren und sich auch an diese zu halten. Wirklich fremde Wesen sehen eben nicht nur anders aus, sondern verhalten sich auch nicht wie Menschen. Dies gilt f\u00fcr meine Fantasy-Romane ebenso wie f\u00fcr Science Fiction oder Steampunk. An der Welt, die hinter &#8222;Elfenmond&#8220; und &#8222;Cvon&#8220; steht, habe ich viele Jahre gearbeitet, bevor der erste Roman erschien. F\u00fcr &#8222;Argentum Noctis&#8220;, dem Steampunkroman, an dem ich aktuell arbeite, habe ich nicht so viel Zeit, aber ich plane auch hier, keine Kompromisse zu machen.<br \/>\nJapanologie war f\u00fcr mich aus einem anderen Grund interessant: die japanische Kultur &#8211; besonders die alte japanische Kultur ist so faszinierend anders als die unsere, dass sie selbst aus einem Fantasy-Roman stammen k\u00f6nnte. Das schl\u00e4gt sich sogar in der Sprache nieder. Um fl\u00fcssig japanisch sprechen zu k\u00f6nnen muss man &#8222;anders&#8220; und &#8222;in einer anderen Reihenfolge&#8220; denken. Dieses Ph\u00e4nomen gibt es wohl in jeder Fremdsprache, aber im Japanischen ist dies wirklich extrem. Hier wurde mir bewusst, wie sehr eine Sprache eine Denkweise beeinflusst. Im Japanischen gibt es zum Beispiel kein Futur. Viele Begriffe sind nur schwammig definiert und es gibt sehr viele gleichklingende Worte, die man bei uns als &#8222;Teekesselchen&#8220; bezeichnen w\u00fcrde. Der Sinn dieser Worte wird dann nur aus dem Zusammenhang klar. Au\u00dferdem dr\u00fcckt jede Anrede ein bestimmtes Verh\u00e4ltnis zwischen Sprecher und Zuh\u00f6rer aus. Anders ausgedr\u00fcckt: Wer japanisch wirklich beherrscht, ist in der Lage, extrem poetisch, mehrdeutig und unterschwellig freundlich oder unfreundlich zu sein. Und genau das ist meiner Meinung nach der Grund, der uns japanische Poesie, Kunst und Kultur so fremdartig erscheinen l\u00e4sst. Mir ist bei diesem Studium wieder einmal klar geworden, wie wunderbar pr\u00e4zise deutsch eigentlich ist.<br \/>\nIn meine Arbeit ist dies insofern eingeflossen, als dass ich bei der Kreation von Fantasy-Welten sehr viel Wert auf Sprachen lege. Gerade bei &#8222;Cvon&#8220; ist das wohl immer wieder zum Ausdruck gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Bitte erz\u00e4hlen Sie uns doch etwas \u00fcber das Entstehen Ihres letzten Romans &#8222;Masken der Sinnlichkeit&#8220;.<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>&#8222;Masken der Sinnlichkeit&#8220; ist in drei Monaten entstanden. Da es mein erster Roman mit historischem Hintergrund war, rechnete ich mit langen Recherchen, um einen passenden Ort f\u00fcr die Handlung zu finden. Doch erstaunlicherweise fand ich schon nach wenigen Stunden einen deutschen Landesf\u00fcrsten, der in meinen Roman passte, als w\u00e4re er daf\u00fcr erfunden worden. Carl Eugen von W\u00fcrttemberg war ein verschwenderischer Despot, der den Begriff &#8222;Dekadenz&#8220; ganz neu definiert hat und sich in erster Linie f\u00fcr sch\u00f6ne Frauen interessierte. Dann brach der Mann auch noch v\u00f6llig \u00fcberst\u00fcrzt aus ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden nach Venedig auf, um sich dem Karneval hinzugeben &#8211; Perfekt. Auch die restliche Arbeit erwies sich als sehr fl\u00fcssig und angenehm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Was hat Sie dazu bewogen einen erotischen Roman zu schreiben?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Es hat einfach alles gepasst. Die Herausgeberin Alisha Bionda hat mir angeboten, einen Roman f\u00fcr ihre Reihe &#8222;Ars Amoris&#8220; zu schreiben, an dessen erstem Band ich mich schon mit einer Kurzgeschichte beteiligen konnte. Erkl\u00e4rterma\u00dfen geht es in dieser Reihe darum, ein m\u00f6glichst breites Spektrum erotischer Phantastik abzubilden und somit eine Art &#8222;Gesamtkunstwerk&#8220; zu schaffen. Ich erhielt also die Gelegenheit, etwas &#8211; wie ich meine &#8211; v\u00f6llig neues auszuprobieren: Ich wollte einen Roman schreiben, der sein Etikett &#8222;erotisch&#8220; nicht in erster Linie durch ausschweifende Schilderung von Sexszenen verdient, sondern durch etwas im Hintergrund schwelendes. Ich war sozusagen auf der Suche nach der &#8222;Essenz&#8220; dessen, was sich im eigentlichen Akt entl\u00e4dt. Ich denke, mir ist das ganz gut gelungen. Und &#8222;nebenher&#8220; habe ich auch noch eine, wie ich meine, recht spannende Geschichte erz\u00e4hlt.<br \/>\nIch denke, dass Alisha Bionda sich mit ihren Reihen sehr um die deutsche Literaturszene verdient macht, indem sie neue Ideen einfach zul\u00e4sst. Gerade die Reihe Ars Amoris zeigt, dass erotische Phantastik eben nicht &#8211; wie allgemein \u00fcblich &#8211; auf Vampire und Werw\u00f6lfe reduziert werden sollte. Die sch\u00f6nste Sache der Welt hat eben viele Facetten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Welche Ihrer Helden m\u00f6gen Sie am meisten und weshalb? W\u00fcrden Sie einem oder mehreren gerne in der Realit\u00e4t begegne?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Ich mag nicht nur meine Helden sondern auch die meisten meiner Fieslinge, auch wenn ich nicht unbedingt jedem von denen begegnen wollte ;o). Am allerliebsten w\u00fcrde ich nicht nur meinen Helden begegnen, sondern auch die Welten Besuchen. In der Elfenmondwelt w\u00fcrde ich dann am liebsten auch gleich bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> In welchen Genres schreiben Sie und in welchen w\u00fcrden Sie gerne auch schreiben?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Ich bin ganz klar Phantastik-Autor. Meine Genres sind Fantasy, Science Fiction, Steampunk, Cyberpunk und Horror. Ich habe in all diesen Genres schon geschrieben, wenngleich mir noch eine Ver\u00f6ffentlichung im Cyberpunk-Genre fehlt. Eine Ausnahme mache ich f\u00fcr den Krimi-Bereich. Wieder war es hier Alisha Bionda, die mir mit ihrer Sherlock Holmes-Anthologie &#8222;der verwunschene Sch\u00e4del&#8220; einen &#8222;Schubs&#8220; in eine neue Richtung gegeben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Wir stellen immer gern noch ein paar &#8222;private&#8220; Fragen, um den Autor den LeserInnen n\u00e4her zu bringen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gibt es ein bestimmtes Schreibritual bei Ihnen?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Nein, ich glaube nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Zu welcher Tageszeit schreiben Sie gew\u00f6hnlich?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Grunds\u00e4tzlich nachts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Lieben Sie Musik? Wenn ja, welche Richtung?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Da bin ich sehr vielseitig interessiert. Ich bin zum Beispiel ein gro\u00dfer Doro Pesch Fan. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist ihr &#8222;Love me in Black&#8220; eine Art Soundtrack zu &#8222;Luna&#8220; aus &#8222;Elfenmond&#8220; &#8211; Praktisch jeder meiner Helden und Schurken hat wohl irgendwann seine Hymne. Die gro\u00dfartigste Stimme aller Zeiten hat f\u00fcr meine Ohren Alannah Myles. Ich liebe aber auch gute Filmmusik wie zum Beispiel &#8222;Crimson Tide&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong> Welcher Schriftsteller fasziniert Sie und weshalb?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Elaine Cunningham ist ganz klar meine Favoritin, auch wenn man sie im Original lesen muss, um sie wirklich zu genie\u00dfen. Diese Frau hat eine Magie in der Sprache &#8211; sagenhaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Sind Sie ein Langschl\u00e4fer oder ein Fr\u00fchaufsteher?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Da ich meistens nachts arbeite, muss ich mich wohl als Langschl\u00e4fer bezeichnen, auch wenn ich selten mehr als 5 oder 6 Stunden schlafe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Was ist hier Lieblingsgericht?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Ich bin ein viel zu begeisterter Esser und habe viele Lieblingsgerichte. Zu meinen absoluten Favoriten z\u00e4hlt aber Sauerbraten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Jeder Mensch hat ja einen Tick, eine Marotte. Welches ist ihrer?<\/strong><\/p>\n<h5>Guido Krain<\/h5>\n<p>Ich habe mir einen riesigen schwarzen K\u00fchlschrank neben meinen Schreibtisch gestellt, um meine Versorgung mir gek\u00fchlten Getr\u00e4nken sicherzustellen. Z\u00e4hlt das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ladys Lit<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Das z\u00e4hlt, lieber Guido.*Lach*<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken Guido Krain f\u00fcr das sympathische Interview!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Original: Lady&#8217;s Lit Interview von Elke Meyer Anlass: &#8222;Masken der Sinnlichkeit&#8222; Ladys Lit Lieber Guido, wann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1178"}],"collection":[{"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1178"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1182,"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1178\/revisions\/1182"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/krain.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}